
VIERTELFINALE · ABPFIFF · GILLETTE STADIUM, FOXBOROUGH
Deutschland 2:0 Marokko: Havertz korrigiert seinen Fehlschuss — DFB-Elf stürmt ins Halbfinale
Ein verschossener Elfmeter in der ersten Halbzeit hätte alle Wunden des letzten Jahrzehnts aufreißen können. Stattdessen schlenzte Kai Havertz das 1:0, legte Nick Woltemade das 2:0 auf — und Deutschland steht erstmals seit 2014 in einem WM-Halbfinale.
FOXBOROUGH — Als Havertz' Elfmeter in der 33. Minute außen an den Pfosten klatschte, lag über dem Gillette Stadium die kollektive Erinnerung an Paraguay: wieder ein großer Abend, wieder ein vergebener Strafstoß. Diese Mannschaft behauptet beharrlich, anders zu sein — und elf Minuten nach der Pause bewies sie es: Havertz nahm Wirtz' verdeckten Pass mit und schlenzte den Ball mit rechts ins lange Eck, sein fünftes Turniertor.
Marokko, das die Niederlande im Elfmeterschießen ausgeschaltet und in fünf Spielen nur ein Gegentor kassiert hatte, drückte bis zur 78. Minute — dann war das Spiel entschieden: wieder Havertz, diesmal als Vorbereiter, schickte Woltemade allein aufs Tor. Der 24-Jährige schob flach ein. 2:0, und die deutsche Kurve hinter Neuers Tor sang noch zwanzig Minuten nach dem Schlusspfiff.
Es krönt eine K.-o.-Serie, die vor elf Tagen in ebendiesem Stadion begann, als Neuers zwei Paraden im Elfmeterschießen gegen Paraguay eine Geschichte umschrieben, die jeder deutsche Fan auswendig kennt — und die in Philadelphia weiterging, wo die Wende gegen Frankreich Mbappés Elfmeter unter Toren von Havertz und Woltemade begrub.
Nächste Station: Arlington, Dienstag, gegen Spanien oder Belgien, die sich am Freitag im SoFi Stadium gegenüberstehen. Julian Nagelsmann wurde gefragt, ob sich dieser Lauf nach 2014 anfühle. '2014 hatten wir ein Halbfinale in Brasilien gespielt', sagte er. 'Fragen Sie mich Dienstagnacht.'